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Warum Frauengesundheit jedes Unternehmen angeht

Frauen sind wichtige Fachkräfte und tragen entscheidend zur Innovationskraft sowie Zukunftsfähigkeit von Unternehmen bei. Sie arbeiten oft jahrzehntelang – mit geschlechtsspezifischen gesundheitlichen Herausforderungen, über die im Arbeitskontext bislang wenig gesprochen wird. Das ändern wir mit einer neuen Serie zur Frauengesundheit. Im ersten Teil erläutert Fabienne Sieweke, Beraterin für Gesundheitsmanagement bei BG prevent, warum dieses Thema auf die Agenda jedes modernen Arbeitgebers gehört.

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Frau mit Kind am Schreibtisch mit Handy in der Hand

Warum ist Frauengesundheit ein relevantes Thema für Unternehmen?

In Deutschland leben rund 43 Millionen Frauen, etwa eine Million mehr als Männer. Der Anteil der Frauen an den Erwerbstätigen steigt laut Statistischem Bundesamt kontinuierlich und lag 2022 bei 48,2 Prozent. Gleichzeitig haben Frauen eine um rund fünf Jahre höhere Lebenserwartung als Männer. Sie können also länger arbeiten – wenn sie gesund bleiben. Die Wichtigkeit des Themas hat auch die Politik erkannt. So hat das Bundesforschungsministerium im November 2025 ein neues Ressort für Frauengesundheit geschaffen.

Vor dem Hintergrund von Demografie, Fachkräftemangel und längeren Erwerbsbiografien ist Frauengesundheit ein strukturelles Thema für Unternehmen und ein zentraler Bestandteil einer modernen, nachhaltigen Unternehmenskultur.
Fabienne Sieweke, Beraterin für Gesundheitsmanagement bei BG prevent

Unternehmen, die sich mit Frauengesundheit auseinandersetzen, können Mitarbeiterinnen binden – und neue gewinnen. Sie steigern ihre Arbeitgeberattraktivität und sichern ihre Wettbewerbsfähigkeit. Zudem handeln sie wirtschaftlich sinnvoll. „Gesundheitliche Beschwerden, zum Beispiel im Zusammenhang mit den Wechseljahren, verursachen erhebliche Kosten durch Fehlzeiten und Leistungseinbußen“, erklärt Sieweke.

Was umfasst Frauengesundheit im Arbeitskontext?

Frauen durchlaufen im Laufe ihres Berufslebens unterschiedliche Lebensphasen, die mit geschlechtsspezifischen gesundheitlichen Herausforderungen einhergehen. Dazu zählen unter anderem:

  • Zyklus und Zyklusbeschwerden, z. B. prämenstruelle Syndrome (PMS/PMDS)

  • Schwangerschaft, Mutterschutz und Rückkehr nach Elternzeit

  • Wechseljahre

  • Geschlechtsspezifische Erkrankungen wie Endometriose oder Brustkrebs

Hinzu kommen psychische Belastungen durch Mehrfachanforderungen.

Im Arbeitskontext geht es darum, für diese Themen zu sensibilisieren und – jenseits gesetzlich geregelter Bereiche wie Schwangerschaft und Mutterschutz – gesunde Rahmenbedingungen zu schaffen. Ob und wie offen Frauen gesundheitliche Aspekte ansprechen möchten, sollte jede selbst entscheiden. „Wichtig ist, dass eine Frau darüber reden kann, ohne Angst vor Bewertung oder Nachteilen haben zu müssen“, betont Fabienne Sieweke.

Zyklusbedingte Herausforderungen für Frauen im Arbeitsalltag

Der weibliche Zyklus betrifft viele Frauen über Jahrzehnte ihres Erwerbslebens – und beeinflusst nachweislich die Arbeitsfähigkeit. Studien zeigen: Mehr als 80 Prozent der Frauen arbeiten während zyklusbedingter Beschwerden mit eingeschränkter Leistungsfähigkeit, meist ohne krankheitsbedingte Fehlzeiten. Der Produktivitätsverlust summiert sich auf rund neun Arbeitstage pro Jahr – vor allem durch sogenanntes Präsentismusverhalten. Das ist das Ergebnis einer niederländischen Studie aus dem Jahr 2019.

20 bis 30 Prozent berichten laut einer Schweizer Studie von ausgeprägten prämenstruellen Beschwerden wie Schmerzen, Erschöpfung oder Konzentrationsproblemen. Gleichzeitig wünschen sich rund zwei Drittel der Betroffenen flexiblere Arbeitszeiten oder Aufgabenanpassungen.

Für Arbeitgeber bedeutet das: Zyklusbedingte Belastungen sind Teil der Arbeitsrealität. Aus Angst vor Abwertung mit Sätzen wie „Die hat ihre Tage“ behalten die Frauen ihre Belastung jedoch häufig für sich. Ähnlich verhält es sich mit Wechseljahresbeschwerden, über die wir in einem anderen Serienteil ausführlich berichten.

Viele Frauen sind leistungsfähig, obwohl sie gesundheitlich stark belastet sind. Dadurch wird die Belastung oft unsichtbarer.
Fabienne Sieweke

Führungskräfte können hier viel bewirken, indem sie Belastung ernst nehmen und eine offene Haltung signalisieren.

Doppelbelastung als Gesundheitsrisiko

Ebenfalls häufig unsichtbar ist die Doppelbelastung aus Erwerbsarbeit und Care-Aufgaben, die noch immer vermehrt Frauen betrifft. Frauen investieren durchschnittlich rund 44 Prozent mehr Zeit in unbezahlte Care-Arbeit als Männer – das entspricht etwa 76 Minuten pro Tag. Acht von zehn Alleinerziehenden in Deutschland sind Frauen, ebenso rund 65 Prozent der pflegenden Angehörigen. „Diese Mehrbelastung geht zulasten von Erholung, sozialem Leben und Regeneration – mit spürbaren gesundheitlichen Folgen“, sagt Sieweke.

Frauen fallen zudem häufiger krankheitsbedingt aus als Männer. Psychische Erkrankungen wie Stress, Erschöpfung oder depressive Verstimmungen zählen zu den häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit. Ein weiterer Faktor: Viele Frauen arbeiten in sozialen und pflegerischen Berufen mit hoher emotionaler Belastung. Männer haben andere gesundheitliche Herausforderungen. „Eine geschlechtssensible Gesundheitsförderung ist deshalb wichtiger denn je“, unterstreicht die Expertin.

Wenn Gesundheit Karrieren beeinflusst

Wenn Frauen gesundheitlich stark belastet sind, wirkt sich das auch auf die Unternehmen aus. Studien zeigen, dass Frauen häufiger als Männer:

  • ihre Arbeitszeit reduzieren,

  • Karriereschritte aufschieben oder darauf verzichten,

  • sich aus bestimmten Rollen oder Funktionen zurückziehen.

Für Unternehmen ist Frauengesundheit eine harte strategische Variable für Fachkräftesicherung und Wettbewerbsfähigkeit.

Was Unternehmen konkret tun können

Unternehmen können viel dazu beitragen, Frauen zu entlasten und gesund zu halten:

  • Flexible Arbeitszeitmodelle und Gleitzeit helfen, kurzfristige Belastungsspitzen abzufedern.

  • Unterstützungsangebote bei Care-Arbeit, etwa Notfallbetreuung, Beratung bei Pflegefragen oder alltagsentlastende Services.

  • Psychosoziale Beratungsangebote, Stressmanagement und Präventionsmaßnahmen im Rahmen eines geschlechtersensiblen Betrieblichen Gesundheitsmanagements.

  • Aufklärungsformate, die Frauen- und Männergesundheit gemeinsam betrachten und für alle Beschäftigten offen sind.

„Entscheidend ist, dass diese Angebote nicht stigmatisierend wirken, sondern selbstverständlich Teil der Unternehmenskultur sind“, sagt Fabienne Sieweke.

Ausblick auf die Serie

Weitere Artikel in unserer Serie zur Frauengesundheit im Arbeitskontext folgen. In den nächsten Teilen beleuchten wir einzelne Themen – von Gendermedizin über geschlechterspezifische Vorsorge bis hin zu den Wechseljahren. Handlungsempfehlungen für Unternehmen spielen ebenfalls eine Rolle.

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