Hasel und Erle fliegen längst, die Birke folgt im März. Rund 15 Prozent der Erwachsenen in Deutschland leben mit ärztlich festgestelltem Heuschnupfen. Starke allergische Beschwerden können die Arbeitsfähigkeit deutlich einschränken. Was die frühe Pollensaison für Betriebe bedeutet – und wie sie ihre Mitarbeitenden gezielt entlasten.
Pollensaison startet früh – was Unternehmen jetzt tun sollten
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Allergien betreffen viele Menschen. Gleichzeitig zeigt etwa jede zweite Person eine körperliche Reaktion auf mindestens einen Stoff, der eine Allergie auslösen kann. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass Beschwerden auftreten.
Treten jedoch Beschwerden wie Niesreiz, tränende Augen oder Atemprobleme auf, kann sich daraus eine chronische Erkrankung entwickeln. Heuschnupfen gehört zu den häufigsten allergischen Erkrankungen in Deutschland.
Hinzu kommt: Die Pollensaison startet immer früher und zieht sich länger hin. Milde Winter beschleunigen die Entwicklung. Viele Betroffene spüren erste Symptome bereits im Februar.
Für Unternehmen bedeutet das: Ein relevanter Teil der Belegschaft kämpft jedes Frühjahr mit Einschränkungen.
Heuschnupfen mindert Leistung
Typische allergische Symptome über einen längeren Zeitraum sind u. a.:
verstopfte oder laufende Nase
Niesattacken
juckende, tränende Augen
Müdigkeit
Konzentrationsprobleme
Atembeschwerden
Wer nachts schlecht schläft und tagsüber unter solchen Reizsymptomen leidet, arbeitet langsamer, trifft eher Fehlentscheidungen und reagiert verzögert. „Allergien sind keine Befindlichkeitsstörung“, sagt Dr. Christina Nußbeck. „Viele spielen ihre Beschwerden herunter und arbeiten weiter. Wenn die Symptome stark sind, können Beschäftigte ihre Aufgaben nicht mehr zuverlässig erfüllen.“
Nicht jede eingeschränkte Leistungsfähigkeit führt automatisch zur Arbeitsunfähigkeit. Maßgeblich ist, ob jemand seine vertraglich vereinbarte Tätigkeit noch ausüben kann oder ob die Arbeit den Gesundheitszustand verschlechtert. Das prüft immer eine Ärztin oder ein Arzt im Einzelfall.
Das Bundesarbeitsgericht stellt klar: Wer seine arbeitsvertraglichen Aufgaben aus gesundheitlichen Gründen nicht erfüllen kann, gilt als arbeitsunfähig – unabhängig davon, ob eine Allergie oder eine andere Erkrankung vorliegt.
„Unternehmen sollten Heuschnupfen nicht bagatellisieren“, sagt Dr. Nußbeck. „Sonst arbeiten Betroffene trotz starker Beschwerden weiter. Das führt zu Präsentismus – und senkt Produktivität und Leistungsfähigkeit.“
Wer früh reagiert, verhindert längere Ausfälle.
Was Sie jetzt konkret tun können
Allergien verschwinden nicht – doch Sie können die Belastung deutlich senken.
Raumluft prüfen:
Kontrollieren Sie regelmäßig Lüftungsanlagen und tauschen Sie Filter aus. Setzen Sie bei Bedarf leistungsfähige Luftreiniger ein.
Arbeitsbedingungen anpassen:
Ermöglichen Sie flexible Arbeitszeiten, wenn die Pollenbelastung morgens besonders hoch ist. Bieten Sie vorübergehend Homeoffice an. Verlegen Sie Arbeitsplätze, wenn Pollen direkt über Fenster oder Lüftung einströmen.
Reinigung optimieren:
Lassen Sie häufiger feucht wischen, damit sich weniger Pollen auf Oberflächen ablagern.Betriebsärzt:innen frühzeitig einbeziehen: Sie beraten individuell, prüfen mögliche Kreuzallergien oder zusätzliche Belastungsfaktoren und unterstützen bei der Auswahl geeigneter Maßnahmen.
"Oft reichen schon kleine Anpassungen, um die Situation deutlich zu verbessern", sagt Dr. Nußbeck. "Entscheidend ist, dass Unternehmen handeln und das Gespräch mit ihren betroffenen Mitarbeitenden suchen."
Handeln lohnt sich!
Wer Heuschnupfen ignoriert, riskiert eine Verschlechterung. In manchen Fällen entwickelt sich ein allergisches Asthma.
Für viele Betroffene beginnt die Belastung bereits im Februar – mit den ersten Hasel- und Erlenpollen. Nutzen Sie diesen Zeitpunkt, um Strukturen zu prüfen und Beschäftigte gezielt zu unterstützen.
Sie schützen damit die Gesundheit Ihrer Mitarbeitenden – und sichern die Leistungsfähigkeit Ihres Unternehmens.
Pollenflug im Blick behalten
Der Deutsche Wetterdienst veröffentlicht täglich regional differenzierte Pollenflugvorhersagen. So erkennen Unternehmen und Beschäftigte frühzeitig, wann die Belastung besonders hoch ist. Sie können Arbeitszeiten anpassen und Schutzmaßnahmen gezielt planen.
Aktuelle Informationen finden Sie unter www.dwd.de/pollenflug

