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Raus aus dem Dauer-Online-Modus!

Mails, Meetings, Multitasking: Arbeit zerfasert. "Viele arbeiten nicht zu viel, sondern zu zersplittert. Am Ende fühlt sich das wie Dauerstress an", sagt Dr. Nina Elberich, Psychologin bei BG prevent.

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Legen Sie das Smartphone am Abend bewusst außer Sichtweite

Der Tag beginnt oft konzentriert – und zerfasert schneller, als man denkt. Eine Mail ploppt auf, das Smartphone vibriert, ein Chatfenster blinkt – dazu Meetings. Eigentlich wollten Sie konzentriert an einem Konzept arbeiten. Stattdessen reagieren Sie ständig auf Impulse von außen.

Digitale Zusammenarbeit erleichtert vieles. Doch sie fordert ihren Preis. Wer ständig zwischen Aufgaben wechselt, verliert Fokus und auf Dauer auch Energie.

Wenn Arbeit in Stücke zerfällt

Jede Unterbrechung zwingt das Gehirn, neu anzusetzen. Aus einem Gedanken auszutauchen und sich anschließend wieder hineinzufinden kostet Energie – selbst wenn der Wechsel nur Sekunden dauert. Über den Tag verteilt entsteht daraus ein spürbarer Belastungseffekt.

"Viele Beschäftigte haben nicht zwangsläufig einen zu hohen Workload oder Zeitdruck, sondern arbeiten oftmals zu fragmentiert“, sagt Dr. Nina Elberich, Psychologin bei BG prevent. "Am Ende führt dies zu Überlastung, auch ganz ohne Überstunden.“

Wenn der Arbeitstag innerlich nicht endet

Hinzu kommt ein weiterer Faktor: Viele Personen reagieren sofort, selbst wenn es niemand ausdrücklich verlangt. Das Gefühl, schnell antworten zu müssen, begleitet sie durch den Tag. Und oft darüber hinaus.

"Wenn Gedanken ständig weiterkreisen, bleiben viele Menschen dauerhaft angespannt. So fällt es ihnen oft schwer, wirklich abzuschalten und sich zu erholen“, erklärt die Expertin von BG prevent.

Die Folgen zeigen sich nicht sofort. Doch mit der Zeit schlafen viele schlechter, reagieren gereizter und können sich weniger gut konzentrieren. Das passiert schleichend und genau deshalb unterschätzen es viele.

Ablenken ist nicht harmlos

In bestimmten Situationen birgt digitale Ablenkung sogar ein konkretes Risiko. Ein kurzer Blick auf das Display kann im Straßenverkehr, an Maschinen oder bei komplexen Arbeitsabläufen gefährlich werden.

Aber auch im Büro entstehen Fehler, wenn Aufmerksamkeit permanent springt. Wer nebenbei Mails liest und gleichzeitig Zahlen prüft, übersieht schneller Details.

Das liegt nicht an mangelnder Disziplin. Das menschliche Gehirn beherrscht kein echtes Multitasking. Es wechselt lediglich sehr schnell zwischen Aufgaben und verliert dabei an Präzision.

Konkrete Schritte für Unternehmen zu mehr digitaler Achtsamkeit

Ein bewusster Umgang mit digitaler Kommunikation schützt daher nicht nur die Produktivität, sondern auch die Gesundheit der Mitarbeitenden. Entscheidend ist eine klare Struktur.

Unternehmen können zum Beispiel:

  • verbindliche Erreichbarkeitszeiten festlegen

  • deutlich machen, dass nicht jede Nachricht sofort beantwortet werden muss

  • E-Mails zeitversetzt versenden

  • Fokuszeiten ohne Meetings ermöglichen

  • Benachrichtigungen gezielt reduzieren

Führungskräfte spielen dabei eine Schlüsselrolle. "Wie wir für Kolleg:innen, Kund:innen oder Mitarbeitende erreichbar sind, entscheidet sich auf Leitungsebene“, betont Dr. Elberich. „Wer beispielsweise häufig nachts Mails verschickt, sendet möglicherweise ein Signal – selbst wenn dies nicht beabsichtigt ist."

Was jede und jeder selbst tun kann

Auch auf persönlicher Ebene lässt sich viel steuern. Es geht nicht um radikalen Verzicht, sondern um bewusste Entscheidungen.

  • Schalten Sie unnötige Push-Nachrichten aus.

  • Bündeln Sie Ihre Kommunikationszeiten.

  • Aktivieren Sie den Flugmodus während konzentrierter Arbeitsphasen.

  • Legen Sie das Smartphone am Abend bewusst außer Sichtweite.

Manchmal wirken einfache Maßnahmen am stärksten. Ein klassischer Wecker verhindert, dass der Tag mit dem Scrollen beginnt. Klare Absprachen im Team reduzieren impliziten Erwartungsdruck.

Digitale Arbeit gehört zum modernen Berufsalltag. Doch sie sollte unterstützen, nicht dominieren. Wer klare Grenzen setzt, schafft Raum für konzentriertes Arbeiten und echte Erholung. Und genau das stärkt auf Dauer Leistung und Gesundheit gleichermaßen.

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