Nach längerer Krankheit zurück in den Job zu kommen, ist für viele Beschäftigte eine sensible Phase. Führungskräfte tragen entscheidend dazu bei, dass Beschäftigte gut in den Job zurückkehren und langfristig leistungsfähig bleiben. Katharina Kresse, BEM-Expertin bei BG prevent, erklärt, worauf es ankommt.
Erfolgreiches BEM: Warum Führungskräfte den Unterschied machen
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Wenn Beschäftigte nach längerer Krankheit an den Arbeitsplatz zurückkehren, geht es nicht nur um den ersten Arbeitstag. Es geht um Vertrauen, Orientierung und die Frage: Wie gelingt der Wiedereinstieg, ohne die Person direkt wieder zu überfordern?
Genau hier setzt das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) an. Unternehmen müssen den Prozess anbieten, wenn Beschäftigte innerhalb von zwölf Monaten länger als sechs Wochen arbeitsunfähig waren. Doch ein gutes BEM ist mehr als eine gesetzliche Pflicht. Es unterstützt Beschäftigte dabei, ihre Arbeitsunfähigkeit zu überwinden, beugt erneuter Arbeitsunfähigkeit vor und sichert ihre langfristige Teilhabe am Arbeitsleben.
Eine zentrale Rolle spielen dabei Führungskräfte.
BEM braucht eine klare Haltung
Führungskräfte erleben im BEM manchmal einen Rollenkonflikt. Sie erhalten eine Einladung zu einem Gespräch und fragen sich: Geht es jetzt um Vorwürfe? Habe ich etwas falsch gemacht? Bin ich mitverantwortlich für die Erkrankung?
Diese Haltung erschwert ein offenes BEM-Gespräch. Deshalb bereiten Unternehmen ihre Führungskräfte frühzeitig auf ihre Rolle im BEM vor. Eine klare Haltung hilft Führungskräften: Im BEM geht es nicht um Schuld, sondern um passende Maßnahmen für den Wiedereinstieg.
Unternehmen schulen Führungskräfte am besten schon bei der Einführung des BEM-Prozesses. So gehen sie später offener, neutraler und sicherer in Gespräche. Diese Vorbereitung gibt auch der betroffenen Person Sicherheit. Denn sie spürt schnell, ob die Führungskraft ihr mit echtem Unterstützungswillen begegnet.
Der erste Tag entscheidet oft über das Gefühl der Rückkehr
Wer nach Wochen oder Monaten zurückkehrt, ist häufig unsicher. Was hat sich verändert? Wie reagieren Kolleg:innen? Welche Aufgaben warten? Ist das E-Mail-Postfach voll? Muss sofort wieder alles funktionieren?
Führungskräfte senken diese Unsicherheit deutlich, indem sie den Arbeitsplatz vorbereiten, Aufgaben realistisch planen und die ersten Tage nicht überfrachten. Gerade nach psychischen Erkrankungen oder einem Burnout erhöhen scheinbar kleine Dinge schnell die Belastung.
Ein übervolles E-Mail-Postfach, zu hohe Tagesziele oder unausgesprochene Erwartungen erhöhen den Druck sofort wieder. Klare Absprachen geben Orientierung – im Idealfall schon vor dem ersten Arbeitstag: Was ist in der ersten Woche wichtig? Was hat noch Zeit? Welche Aufgaben übernimmt die Person wieder direkt, welche später? Wer ist ansprechbar, wenn etwas nicht funktioniert?
Ein nachhaltiger Wiedereinstieg entsteht selten durch Tempo. Er entsteht durch realistische Schritte.
Beschäftigte sind nicht verpflichtet, medizinische Details offenzulegen
Im Mittelpunkt stehen die Auswirkungen auf die Arbeit und die passende Unterstützung. Beschäftigte müssen keine medizinischen Details offenlegen. Entscheidend ist, welche Auswirkungen die Erkrankung auf die Arbeit hat und welche Unterstützung die Person braucht.
Die Frage „Was genau hatten Sie?“ gehört nicht in ein BEM-Gespräch. Besser ist: „Was brauchen Sie, damit der Wiedereinstieg gut gelingt?“ oder „Welche Aufgaben fallen Ihnen aktuell schwer?“
Diese Perspektive verändert das Gespräch. Sie nimmt Druck heraus und lenkt den Blick auf Lösungen. Je nach Situation unterstützen Betriebsärzt:innen, Betriebsrat, HR, Integrationsamt, Rentenversicherung oder externe BEM-Berater:innen die Führungskraft. Betriebsärzt:innen übersetzen gesundheitliche Einschränkungen zum Beispiel in konkrete Anforderungen an den Arbeitsplatz, ohne Diagnosen offenzulegen.
Gute Maßnahmen brauchen Flexibilität
Ein erfolgreiches BEM lebt davon, dass Unternehmen individuell handeln. Nicht jede Rückkehr braucht dieselbe Lösung. Manchmal helfen angepasste Arbeitszeiten, zusätzliche Pausen, Homeoffice oder ein vorübergehend reduzierter Aufgabenbereich. In anderen Fällen passen Unternehmen die Schichtarbeit an, verzichten zeitweise auf Nachtschichten oder reduzieren körperliche Belastungen.
Im Bürobereich prägen häufig Arbeitsorganisation, mobile Arbeit und psychische Belastungen den Wiedereinstieg. In gewerblichen Bereichen beeinflussen körperliche Belastungen, Schichtarbeit, Akkordarbeit oder die konkrete Arbeitsplatzgestaltung den Wiedereinstieg. Dort prüfen Betriebsärzt:innen und Fachkräfte für Arbeitssicherheit direkt am Arbeitsplatz, welche Anpassungen den Wiedereinstieg unterstützen.
Führungskräfte tragen diese flexiblen Lösungen mit und ermöglichen ihre praktische Umsetzung. Wer zwar formal ein BEM anbietet, aber bei Maßnahmen sofort blockiert, verschenkt die Chance auf eine stabile Rückkehr.
Vertrauen entsteht vor dem BEM-Fall
Unternehmen verankern BEM dauerhaft in ihrer Präventionsarbeit. Feste BEM- oder Integrationsteams prüfen regelmäßig, ob sich Belastungen in bestimmten Bereichen wiederholen. So nutzen Unternehmen BEM als wirksamen Teil ihrer Präventionsstrategie.
BEM stärkt Beschäftigte und Unternehmen
Ein gelungenes BEM endet nicht mit der Rückkehr. Die Person startet mit Zuversicht, übernimmt ihre Aufgaben in individuell vereinbarten Schritten und findet gute Voraussetzungen für langfristig gesundes Arbeiten vor.
Führungskräfte schaffen Sicherheit, nehmen Druck heraus und ermöglichen passende Maßnahmen. So geht BEM über die gesetzliche Pflicht hinaus: Es stärkt Beschäftigte, hält ihr Wissen und ihre Erfahrung im Unternehmen und macht Prävention im Arbeitsalltag konkret.
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