Warum gehen manche Menschen besser mit Belastungen um als andere? Resilienz ist keine besondere Begabung, sondern eine Fähigkeit, die sich stärken lässt. Dr. Nina Elberich, Psychologin bei BG prevent, erklärt, was dahintersteckt, warum Resilienz nicht ständiges Durchhalten bedeutet und wie individuelle sowie soziale Faktoren die psychische Gesundheit langfristig fördern.
"Was uns Kraft gibt, sollte kein Zufall sein“
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Frau Dr. Elberich, was macht einen resilienten Menschen aus?
Dr. Nina Elberich: Resilienz beschreibt die Fähigkeit, mit Belastungen, Krisen oder Veränderungen so umzugehen, dass wir trotz Herausforderungen langfristig im psychischen Gleichgewicht bleiben. Dabei geht es nicht darum, immer stark zu sein oder alles auszuhalten. Resiliente Menschen erleben genauso Stress, Sorgen oder Rückschläge wie andere Menschen. Resilienz zeigt sich vielmehr darin, wie Menschen mit Herausforderungen umgehen und wieder in ein für sie stimmiges Gleichgewicht finden.
Ist Resilienz angeboren?
Dr. Elberich: Menschen bringen unterschiedliche Voraussetzungen mit. Resilienz ist keine angeborene Superkraft, sondern das Ergebnis eines dynamischen Prozesses, der sich im Laufe des Lebens entwickelt – insbesondere im Umgang mit Krisen und Herausforderungen. Sie entsteht im Zusammenspiel von individuellen Erfahrungen, sozialen Beziehungen und äußeren Bedingungen.
Wie kann man die eigene Resilienz im Alltag stärken?
Dr. Elberich: Um Resilienz zu entwickeln, braucht es herausfordernde, aber bewältigbare Situationen. Darin ist sich die Wissenschaft einig. Hilfreich sind außerdem ein zuversichtlicher Bewertungsstil, der sich etwa durch Perspektivwechsel trainieren lässt, und die Erfahrung von Selbstwirksamkeit – also die Überzeugung, Anforderungen aus eigener Kraft bewältigen zu können. Auch das soziale Umfeld spielt eine wichtige Rolle.
Warum ist das soziale Umfeld für die Resilienz so wichtig?
Dr. Elberich: Weil Resilienz wesentlich im sozialen Kontext entsteht. Unterstützung, Zugehörigkeit und verlässliche Beziehungen wirken gerade in schwierigen Situationen nachweislich schützend und entlastend. Soziale Beziehungen hängen zwar vom jeweiligen Umfeld ab, lassen sich aber auch aktiv und eigenständig gestalten.
Welche Rolle spielt der Arbeitsplatz, wenn es um Resilienz und Prävention geht?
Dr. Elberich: Resilienz ist das Ergebnis dynamischer Prozesse und sozialer sowie gegebener Rahmenbedingungen und somit keinesfalls nur eine individuelle Aufgabe. Auch organisationale Bedingungen spielen demnach eine wichtige Rolle. Arbeitsumfelder, die durch wertschätzende Führung, transparente Kommunikation und eine unterstützende Unternehmenskultur geprägt sind, tragen wesentlich dazu bei, dass Mitarbeitende Belastungen besser bewältigen können. Gute Prävention betrachtet sowohl den einzelnen Menschen als auch die Rahmenbedingungen, in denen er arbeitet.
Was ist ein einfacher erster Schritt, um die eigene Resilienz zu stärken?
Dr. Elberich: Ein erster, sinnvoller Zugang ist die Reflexion eigener Erfahrungen: Welche Situationen habe ich bereits bewältigt? Was hat mir dabei geholfen? Oder auch regelmäßig im Alltag: Was habe ich in den letzten Tagen gut gemacht? Was hat mir dabei wirklich Kraft gegeben? Häufig fallen uns sofort einige Dinge ein. Genau diese Momente können wir bewusster in unseren Alltag integrieren. Resilienz wird sichtbar, wenn Menschen ihre eigenen Ressourcen, Beziehungen und Bewältigungsstrategien bewusster wahrnehmen und nutzen.
Angebot
Manchmal braucht Resilienz einen Impuls von außen. Unser Employee Assistance Program (EAP) unterstützt Beschäftigte vertraulich bei beruflichen und privaten Herausforderungen.
